DDr. Paul Eiselsberg, Sandra Reichel, Janine Flock und Hans Niessl

Starke Impulse bei Advantage Ladies FE&MALE Sports Conference

Die vierte Advantage Ladies FE&MALE Sports Conference im Rahmen des Upper Austria Ladies Linz hat wichtige Akzente für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Sport gesetzt.  Unter dem Motto „United for Change“ im Design Center Linz diskutierten, bei der von der Reichel Business Group (RBG) und Sport Austria organisierten Konferenz, rund 200 Entscheidungsträger*innen aus Sport, Medien und Wissenschaft, um Allyship (Verbundenheit) über Disziplinen, Sportarten und Funktionen hinweg zu fördern – Verantwortung gemeinsam zu übernehmen, Perspektiven auszutauschen und konkrete Veränderungen für eine deutliche Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Sport anzustoßen.

Hochkarätige Vertreter*innen verschiedenster Sportarten wie Skeleton-Olympiasiegerin Janine Flock, Fußball-Nationalspielerin Sarah Zadrazil und Tennistrainerin Judy Murray standen gemeinsam mit Expert*innen aus gesellschaftlich relevanten Bereichen wie Medien (European Broadcasting Union) und Wissenschaft auf der Bühne, um die Themen Chancengleichheit, Genderbalance und strukturelle Veränderungen im Sport interdisziplinär und praxisnah zu diskutieren.

Im Rahmen der Konferenz wurden zudem die Ergebnisse einer exklusiven Marktforschungsstudie präsentiert, die Sport Austria und die Reichel Business Group in Kooperation mit dem IMAS-Instituts unter österreichischen Bürger*innen durchgeführt haben. Die Studie beleuchtet zentrale Fragen zur Chancengerechtigkeit im Sport, zur Rolle von Vorbildern, zur sportlichen Sozialisation in der Kindheit sowie zu gesellschaftlichen Geschlechterbildern. „Wir sehen, dass Sport für die Österreicher*innen ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Insgesamt ist die Wichtigkeit für Männer nochmal etwas höher als bei den Frauen. Sport gehört ganz wesentlich zur Persönlichkeits-entwicklung, für das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl. Es geht eindeutig um mehr als Bewegung. Dabei ist die Leistungsorientierung bei den Männern viel höher als bei den Frauen. Das ist bereits ein Hemmnis für Frauen, die den Sport vielleicht eher zum Spaß ausüben. Wir sehen, dass man sich eher bis ins hohe Alter mit Sport beschäftigt, je früher man in seinem Leben den Zugang zum Sport bekommt. Prägende Figuren sind hier in der Jugend vor allem Männer. Wir sind sicher auf dem Weg der Gendergerechtigkeit im Sport noch nicht am Ende. Wir gehen davon aus, dass die Frauen – um im Tennisbild zu bleiben – eher den zweiten Aufschlag haben, als sie im Vorteil sind“, erläuterte DDr. Paul Eiselsberg die Ergebnisse einer Studie.

Im zweiten Teil der FE&MALE Sports Conference wurden Workshops genutzt, um Themen wie „Coaching & Training“, „Strategie & Strukturen“, „Medien & Kommunikation“, „Forschung & Wissenschaft“ und „Respekt & Sicherheit“ weiter zu vertiefen und konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die wichtigsten Zitate von Advantage Ladies, der FE&MALE Sports Conference:

Hans Niessl (Sport Austria Präsident): „Mit der von Sport Austria mitorganisierten FE&MALE Sports Conference setzen wir ganz bewusst konkrete Schritte für mehr Vielfalt und echte Chancen-gerechtigkeit. Unser Ziel ist klar: den Gender Gap im Sport Schritt für Schritt zu schließen. Linz war dafür bereits zum vierten Mal zentraler Ort des Austauschs, an dem Best Practices sichtbar gemacht, diskutiert und weiterentwickelt wurden.

 Gerade im Hinblick auf nachhaltige Wirkung wäre die längst überfällige, flächendeckende Umsetzung der täglichen Bewegungseinheit ein entscheidender Hebel für den Frauensport. Damit könnten wir alle Kinder und Jugendliche gleichermaßen – insbesondere Mädchen – erreichen und die Basis für ein lebenslanges Sport- und Bewegungsverhalten legen.

 Vor diesen Hintergrund stellt sich aktuell auch die grundlegende Frage der Finanzierung des organisierten Sports: In dieser Woche haben bekanntlich die Budgetgespräche der Ministerien mit dem Finanzministerium begonnen – eine entscheidende Phase, auch für den gesamten Breiten-, Spitzen-, Gesundheits- und Schulsport. Wir haben daher bei allen relevanten Akteur*innen mit Nachdruck die zentrale Bedeutung des Sports für eine leistungsfähige und zukunftsfitte Gesellschaft unterstrichen. Die Budgetverhandlungen selbst liegen nun beim Sportministerium. Es ist bekannt, dass der organisierte Sport das aktuelle Sparpaket aus staatspolitischer Verantwortung mitträgt. Gleichzeitig erinnern wir nun daran, dass die Sport-Staatssekretärin bei der Generalversammlung von Sport Austria – und damit vor den Delegierten der österreichischen Dach- und Fachverbände – die zeitliche Befristung dieser Maßnahmen unmissverständlich zugesichert hat. An dieser Zusage wird sich die Politik messen lassen müssen. Jetzt gilt es, die budgetäre Trendumkehr einzuleiten – für die Zukunft des Sports insgesamt und damit selbstverständlich auch für die Stärkung des Frauensports!“

Sandra Reichel (Turnierdirektorin Upper Austria Ladies Linz): „Mich freut es sehr, dass wir im Tennis grundsätzlich auf einem guten Weg sind, was die Gleichstellung angeht. Tennisspielende Mütter wie Tatjana Maria oder Elina Svitolina sind echte Vorbilder. Für den Frauensport ist es so wichtig, ein Vorbild zu haben. Ich bin immer noch geflasht vom Auftritt von Lilli Tagger gestern. Ich hoffe, dass durch ihre Erfolge wieder 1000 Mädchen anfangen Tennis zu spielen. Viele reden über die Sichtbarkeit des Frauensports; bei uns, beim Upper Austria Ladies Linz, passiert das wirklich. Das zeigen Vorbilder wie Lilli, aber auch die Trainerinnen wie Conchita Martinez oder Francesca Schiavone. Unser Ziel ist, dass der Sport nicht so männlich dominiert ist und die Frauen daraus auch einen Beruf machen können. Diese Veränderungen schaffen wir aber nur alle gemeinsam.“ 

Janine Flock (Skeleton-Olympiasiegerin): „Es macht mich stolz, Botschafterin für die FE&MALE Sports Conference sein zu dürfen für die Konferenz. Als ich mit dem Skeleton angefangen habe, bin ich in eine Männerdomäne reingerutscht. Ich habe an meinem Trainer Michael Grünberger immer geschätzt, dass er mich als Mensch und Athletin gesehen hast und keine Unterschiede gemacht hat. Er hat sich die Zeit für mich genommen, ich glaube, das ist das Wichtigste in der Beziehung zwischen Athlet*in und Trainer, dass man auf Augenhöhe agiert. Wir Frauen brauchen die Männer und die Männer brauchen uns Frauen, man sollte auf Augenhöhe miteinander umgehen, jeder hat seine Stärken. Es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich die Mädchen wohl fühlen, in denen sie die Gelegenheit bekommen, offen zu kommunizieren und gewisse Themen sensibel betrachtet werden. Wir müssen zuhören. Die Verantwortung dafür liegt bei uns allen.“

Judy Murray (Tennistrainerin): „Als ich das letzte Mal in Linz war im Jahr 2019 war mit Coco Gauff gerade ein ‚superstar in the making‘, vielleicht ist das jetzt mit Lilli Tagger wieder der Fall. Als ich damals als Trainerin angefangen habe, gab es zum Beispiel im Fed Cup keine weiblichen Physiotherapeutinnen, Athletiktrainerinnen oder Videoanalystinnen. Aber wir brauchen Frauen in solchen Positionen, um Frauen zu verstehen. Ich glaube daran, wie wichtig Sport schon für Kinder ist. Wir dürfen uns nicht nur auf die Superstars und die Profisportlerinnen konzentrieren, sondern sollten auch diejenigen nicht vergessen, die einfach nur zum Spaß Sport machen. Ich kann allen Eltern nur raten, mit ihren Kindern zu spielen und Sport zu betreiben. Darin liegt meine Philosophie, einfach zu spielen. Es geht darum, dass unsere Kinder Sport lieben lernen. Billie Jean King hat mal zu mir gesagt: ‚Wenn Du Deine Stimme nicht benutzt, wird Dich niemand hören.‘ Ich habe immer versucht, meine Stimme zum Wohl des Frauensports einzusetzen. Ich würde mir mehr Frauen als Entscheidungsträgerinnen wünschen. Wir brauchen Frauen am Kopf des Tisches, die ihre Stimme erheben und sich in diesen Positionen für Frauen einsetzen. Das würde für mehr Erfolg von Frauen im Sport und generell mehr Frauen im Sport sorgen.“

Sarah Zadrazil (Österreichs Fußballerin des Jahres 2025): „Der Fußball ist sehr männerdominiert. Es ist wichtig, dass man dem Frauenfußball die Sichtbarkeit gibt. Meine Vorbilder waren Männer. Ich freue mich sehr, dass wir Frauen jetzt diese Vorbilderrolle einnehmen können. Man sieht im Stadion so viele Mädchen und Jungs. Um Vorbilder zu sein, brauchen wir aber genau diese Sichtbarkeit. ‚Equal pay‘ ist aus meiner Sicht ein schwieriges Thema. Wir arbeiten gerade eher für ‚equal play‘, also daran, dass wir unter den gleichen Bedingungen arbeiten dürfen. Bevor wir uns über die gleiche Bezahlung unterhalten, müssen zunächst die Bedingungen dafür geschaffen werden. Es gibt viele Vereine, die den Frauenfußball noch nicht gut genug unterstützen. Da ist gerade in Österreich noch viel Luft nach oben. Wir müssen in der Breite noch besser werden.“